ak forschungsHandeln

DER AK FORSCHUNGSHANDELN ist ein offener zusammenschluss aus antidiskriminierend forschenden personen, welche in den bestehenden strukturen von diskriminierung und privilegierung verschieden positioniert sind_werden.

»interdepenDenken!« ist die erste publikation der gruppe und erprobt in text und bildern kollektive formen antidiskriminierenden forschungsHandelns, welche auf interagierender wissensproduktion, wertschätzung und respekt, achtsamem kommunizieren und differenzierter
bezugnahme auf das wissen anderer basieren.

 

ZU DEN EINZELNEN ARTIKELN

in dem artikel »verzweifeln in der dritten person. depression als psychopathologisierung und internalisierte diskriminierung interdependenken« schlägt lio oppenländer ein verständnis von psychopathologisierung vor, das auf einer verbindung von positionierter diskriminierungsanalyse und der analyse hegemonialer emotionspolitiken basiert. es wird die frage diskutiert, inwiefern normalisierte, individualistische vorstellungen von emotionen eingebunden sind in psychiatrische prozesse der diagnostizierung und behandlung von psychischen ›störungen‹, um anschließend strategien zur empowernden (wieder-)aneignung von emotionen zu verhandeln.

in dem artikel »(de_)psychopathologisierung von trans interdependenken: abgrenzung, ausschlüsse und solidarität« folgt eliah lüthi den fragen: wie wirken trans_aktivistische und diagnostisch-medizinische (de_)psychopathologisierungsdiskurse re_psychopathologisierend? wie werden solidarische inderdependachte (de_)psychopathologisierungsnarrative hegemonial vereinnahmt? und: gibt es die möglichkeit für solidarische, interdependachte denk_ und handlungs(t)räume außerhalb psychiatrischer strukturen?

»ein all_zu_täglicher tag*« ist literarisch geschrieben in der absicht, intensive mehrfachdiskriminierungserfahrungen in einem tag sprachlich zu verdichten und in einer kreativen sinneswahrnehmung_ausdrucksform wiederzugeben. dadurch möchte laYla zami dazu bewegen, die verschachtelten erscheinungen und auswirkungen von antisemitismus, rassismus, antimuslimismus, klassismus, maafa, homophobie, genderismus aus queer_jüdisch_of Color perspektive zu interdependenken.

wie die überschrift des artikels »der versuch, die ›matka polka‹ als interdependente folie aufzuzeichnen« von valentina drózdz es schon verdeutlicht, werden der nationale code ›matka polka‹ (›mutter polin‹) und die darin verwobenen machtstrukturen von nationalisierung, weißer privilegierung, cis-frauisierung, repro- und heterogenderung und katholisierung und ihre übertragung auf polnisch_statisierte cis-frauen in abhängigkeit von historisch_gesellschaftlichen prozessen untersucht.

inken holtmann setzt sich in dem artikel »verbündet-sein: grenzen und möglichkeiten partizipativer forschung. wie inter*diskriminierungen verantwortungsvoll interdependenken aus privilegierter positionierung?« mit forderungen von inter*-bewegungen, rechtlichen neuerungen und dem verhältnis zu den gender studies auseinander. der artikel zeigt auf, wie sich durch partizipative forschung chancen zu gemeinsamem forschungshandeln auftun können, indem befragte aus dem objektstatus der ›beforschten‹ in den sozialwissenschaften heraus zu mitforschungshandelnden werden und die eigenen privilegien, positionierungen und gelernten perspektiven der fragenden immer so weit wie möglich mit reflektiert werden.

marianne ballé moudoumbous artikel »erste annäherung zu maafa. ›dina na bebolo‹ – so der name, so die bestimmung (duala sprichwort)« macht deutlich, wie wichtig positionierungen für wissensproduktionen sind und dass sich eine normalisierte weiße androgegenderte perspektive auch in den begriffen, die für kritisches forschen benutzt werden, niederschlagen und auf diese weise machtvoll privilegierte positionierungen und konzeptualisierungen neutralisieren. der artikel schlägt alte_neue begrifflichkeiten vor und erzählt positionierte geschichten, die es möglich machen, was als gegeben genommen wird, neu zu kontextualisieren.

»nationalisierung interdependenken. das eurozentrische konzept nation als ansatzpunkt der analyse komplexer wirkungsweisen von vor-konzeptualisierungen« ist ein plädoyer für die zentralsetzung von ›nation‹ als eigener kategorie. im intersektional-feministischen forschungshandeln analysiert adetoun küppers-adebisi einen cross-kulturellen, diskursiven paradigmenwechsel für den textsprache privilegierenden, deutschen kontext, interdependenkt die wirkmächtigkeit dieser komplexen kategorie, enttarnt unzureichend hinterfragte vorkonzeptualisierungen und definiert privilegierende ausschlusseffekte.

in dem artikel »eurozentrogender. eurozentrische weiße setzungen in universalisierenden westlichen genderkonzepten re_benennen« schlägt ly* antwerpen eurozentrogender als privilegienreflektierende begriffliche alternative zu ›gender‹ vor. der begriff re_benennt das, was heute und hier in den gender studies gelehrt wird, als weiße eurozentrische vorstellungen.

lana sirris artikel »führt geografische und religiöse positionierung zu ausschluss? – feministische akademische wissensproduktion hinterfragen« macht deutlich, dass eine pauschalisierende referenz auf intersektionalität als schwarzes feministisches us-amerikanisches konzept wiederum ausschlüsse oder vereinnahmungen vornimmt, die beispielsweise muslimische und muslimisch-feministische stimmen und positionen entwahrnimmt. der artikel unternimmt ein plädoyer für eine stärker ausdifferenzierte polyvokale wahrnehmung interdependachter diskriminierungsstrukturen.

ganz oder gar nicht? bea_leander marers »perfekt unperfekt interdependenken im studium. eine annäherung mit zeichenfeder« ist eine auseinandersetzung mit positionierungen und ansprüchen – der uni, der ›wissenschaft‹, der politgruppe, den eigenen. die thematik ist hier ver_be_arbeitet in bildern und freiem schreiben, herausgeplatzt unter dem performancedruck des wissenschaftlichen schreibens. es sind auszüge aus marers broschüre »hinter den kulissen einer projektarbeit«, die als ermutigung für menschen in ähnlichen situationen verfasst wurde.

in dem artikel »ich sitze am schreibtisch und es riecht nach benzin. transformatives arbeiten in der aktivistisch_wissenschaftlichen wissensproduktion« hinterfragt cash hauke die gesetzte trennung von aktivismus und wissenschaft in weißen westlichen akademischen wissensautorisierungsprozessen und beschreibt, wie kontinuitäten epistemischer gewalt mit der ausblendung von diskriminierungs- und privilegierungserfahrungen verbunden sind. der artikel benennt eigene_kollektive aktivistisch_wissenschaftliche lernprozesse in verschiedenen kontexten als wichtige teile von wissensproduktionen um intersektionalität_interdependenz und diskutiert, wie eine aktivistisch_wissenschaftliche praxis die eigenen produktionsbedingungen und sprechorte hinterfragen sowie macht- und herrschaftsverhältnisse verändern kann.

lann hornscheidts artikel »aber wie soll ich das denn machen? interdepen-denkend forschen: methodologische und methodische handlungsvorschläge« bietet mögliche konkrete fragen als ansatzpunkte für interdependenkendes forschen und diskutiert die notwendigkeit eines paradigmenwechsels in den gender studies. die verfassten fragen sollen helfen, das eigene forschungshandeln interdependenkend zu reflektieren und zu gestalten.

aktuell sind teil der gruppe:

adetoun küppers-adebisi

bea_leander marer

cash hauke

eliah lüthi

inken holtmann

lana sirri

lann hornscheidt

laYla zami

lio oppenländer

ly* antwerpen

marianne ballé moudoumbou

valentia dróżdż