Brit Bennett: Die verschwindende Hälfte

Brit Bennett: Die verschwindende Hälfte Ein sehr rund erzähltes Buch, beginnend mit dem Aufwachsen der Zwillinge Desiree und Stella in Mallard, einer Kleinstadt im Süden der USA in den 60er Jahren. Mallard ist eine Stadt, in der Schwarze Menschen in Zeiten rassistischer Segregation leben. Die Schwarzen in Mallard sind hellhäutig, sehen teilweise weiß aus (für weiße Blicke) und einzelne können daher in weißen Kontexten als weiß passen. Die Zwillinge sind unzertrennlich. Mit 16 laufen sie weg von zu Hause, ihr Vater gelyncht, als sie kleine Kinder waren, die Mutter zu ewigem schlecht bezahltem Putzen in reichen weißen Familien verurteilt, und...

Continue Reading →

21.01.21 | 17h: Online-Vortrag “Wie frei ist Gender?”

Am Donnerstag den 21.01.2021 um 17 Uhr sprechen Lann Hornscheidt und Katharina Mangold (Europa Universität Flensburg) aus biografischer und diskriminierungskritischer sowie rechtlicher Perspektive darüber, wie frei Gender aktuell ist und welche Auswirkungen diese Situation für Menschen und Gesellschaft hat. Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe “Diversity im Hochschulkontext”, die von der Fachhochschule Kiel, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Muthesius Kunsthochschule Kiel organisiert wird. Ihr wollt mehr darüber erfahren, wie es möglich ist das eigene Sein von der Gewalt, die Gender ist, zu befreien? Dann empfehlen wir euch das Buch Exit Gender von Lann Hornscheidt und Lio Oppenländer (w_orten &...

Continue Reading →

Leslie Marmon Silko: Ceremony

Leslie Marmon Silko: Ceremony 1977 erstmal erschienen, ist Ceremony die Geschichte von Tayo, einer Indigenen Person, die für die USA als Soldat am zweiten Weltkrieg teilnimmt zusammen mit Tayos Kusin, der dort stirbt. Zurück in der Heimat als schwer traumatisierte Person ist es schwierig für Tayo wieder Fuß zu fassen. Die eigene Familiengeschichte – eine von der Indigenen Community verstoßene Mutter, ein Aufwachsen ohne diese als Kind einer Indigenen und eines unbekannten Weißen, das Gefühl eigenen Versagens, indem Tayo nicht auf den eigenen Kusin aufpassen konnte, der Tod der einzigen Person aus der Familie, die Tayo neben dem Kusin Halt...

Continue Reading →

Artikel: Übersetzungen als Versuch diskriminierungskritisch zu handeln

Im November 2020 ist Léonora Mianos Roman “Zeit des Schattens” (im Original “La Saison de l’ombre) bei w_orten & meer und erstmals in deutscher Sprache erschienen. Ina Pfitzner hat den Roman dieser wichtigen postkolonialen Stimme aus dem Französischen übersetzt. Über die Herausforderungen und Möglichkeiten, die es bedeutet diskriminierungskritisch zu über_setzen, hat Ina Pfitzner den Artikel “Momentan bevorzugt der Verlag ODER Wie übersetze ich diskriminierungskritisch?” für das Bücher Magazin geschrieben. Hier könnt ihr die Kolumne lesen: click Und hier könnt ihr mehr über "Zeit des Schattens" erfahren und das Buch bestellen: click

Continue Reading →

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst

Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst 'Was sind Bilder von uns, wenn sie uns in uns selbst einschließen?' Der Roman versucht diese Räume auszuloten, sie zu beschreiben und versucht zugleich sie zu überschreiten – inhaltlich wie formal. Teilweise in einem Stakkato-Ton geschrieben, einer inneren oder gedachten äußeren, mal mahnenden, mal elterlichen, mal besorgten und mal genervten Befragung, erzählt die Ich-Person im Roman Erlebnisse aus dem eigenen Leben, die neben vielem anderem vor allem auch die Durchgängigkeit von rassistischen Zuschreibungen und Lebensbedingungen deutlich werden lassen – im Vergleich des Lebens in Deutschland und den USA, im eigenen Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz,...

Continue Reading →

Arif Anwar: Kreise ziehen

Arif Anwar: Kreise ziehen Der Roman spannt, in unterschiedliche Kapitel aufgeteilt, einen zeitlichen Bogen vom zweiten Weltkrieg bis in das Jahr 2004 und einen räumlichen von Indien/Pakistan/Bangladesch bis in die USA. Verbunden sind die Zeiten und Räume durch das Schicksal und Leben von Personen, ihre Vorfahren und ihre Kinder, ihre sozialen Kontakte und ihre gewaltvollen Gleichzeitigkeiten durch Krieg und Kolonialismus. Die Kapitel sind zu Beginn eine schnelle Abfolge von Lebensfragmenten und enden jeweils in Situationen krisenhafter Zuspitzungen, um in eine andere Epoche und zu anderen Menschen zu springen, deren hier erzähltes Lebensfragment dann wiederum ebenso krisenhaft mitten in einer schwierigen...

Continue Reading →

Akwaeke Emezi: The Death of Vivek Oji

Akwaeke Emezi: The Death of Vivek Oji Vivek, das erwachsene, um die 24 Jahre alte Kind von Kavita und Chika, liegt eines Tages nackt in Stoff gehüllt und tot auf der Veranda des Hauses der Eltern und wird dort von Kavita, der Mutter, gefunden. Die Geschichte beginnt mit dieser Szene mit Viveks Leiche – und von dieser aus werden mit wechselnden Perspektiven das Leben von Vivek von seiner Geburt an oder sogar davor bis zu seinem Tod erzählt. Wie die Leiche auf die Veranda gekommen ist, ist vollkommen unklar und bringt die Mutter dazu, sich nicht mit Wortlosigkeiten und halben...

Continue Reading →

Regina Porter: Die Reisenden

Regina Porter: Die Reisenden Das Diagramm auf den Innenseiten des Buches verdeutlicht hervorragend, was dieses Buch zeigt: ein Netz von Beziehungen zwischen Menschen über zwei verschiedene Familien hinweg, die sich über die Jahrzehnte miteinander verweben, begegnen, nicht kennen, parallel leben – und doch in allem so unterschiedliche Möglichkeiten haben und leben können: die eine Familie wird diskriminiert durch Rassismus, die andere ist privilegiert in Bezug auf Rassismus. Dies ist gebrochen und verfließend in intersektionalen Lebensverhältnissen, in denen Gender, Klasse, insbesondere Bildung und Geld, sowie Sexualität auch entscheidende Rollen dafür spielen, welche Chancen die jeweiligen Menschen haben und mit welchen diskriminierenden...

Continue Reading →

Usama Al Shahmani: In der Fremde sprechen die Bäume arabisch

Usama Al Shahmani: In der Fremde sprechen die Bäume arabisch Was ein sanftes Buch! Der Schmerz über das Verschwinden des Bruders im Irak in Zeiten der Gewalt, das schwierige Ankommen des Ich-Erzählers in der Schweiz – beides wird hier zu einem äußerst lesenswerten Erzählstück miteinander verwoben. Der Ich-Erzähler beginnt mit einem Wundern darüber, dass in der Schweiz gewandert wird. Was soll wandern sein? Und warum sollten Menschen wandern? In seiner Verzweiflung – über die Ferne zum Irak und der Familie dort, über die administrativen Verhältnisse in der Schweiz, über das Verschwinden des Bruders in Bagdad – wendet sich der Erzähler...

Continue Reading →

Tanya Tagaq: Eisfuchs

Tanya Tagaq: Eisfuchs Was heißt es in der Arktis – von Deutschland aus gesehen – am kalten Ende der Welt aufzuwachsen, in einer kleinen Siedlung weit weg von den Normalitäten von Großstädten und wärmeren Landschaften? Was heißt es als Mädchen eingelesen zu werden und sexualisierte Gewalt zu erfahren, sexistische Diskriminierung zu verinnerlichen und die von außen erlebte Gewalt auch gegen sich selbst auszuagieren? Der Roman von Tanya Tagaq stellt dies dar. Häufig in schonungsloser Direktheit, die den Schmerz beim Lesen förmlich körperlich spüren lässt. Häufig auch versucht Tanya Tagaq durch unterschiedliche Genres Ausdrucksmöglichkeiten für eigentlich schmerzhaft Unausdrückbares zu finden –...

Continue Reading →